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Die Verurteilung des Genres "Fantasy"

Mich haben die Wellen, die Elke Heidenreich zumindest in der provokanten Überschrift des Fokus-Artikels geschlagen hat, erst vor einigen Tagen erreicht. Erst wollte ich einen eigenen Blog-Artikel schreiben. Dann fiel mir auf, dass schon alles gesagt ist, nämlich zum Beispiel von der Bibliotheka Phantastica.


Mir gefällt da vor allem Absatz 5:


"5.) Fantasy ist eine Experimentierwiese für philosophische, soziale, kulturelle, psychologische Fragestellungen, die in allen erdenklichen Varianten der Frage “Was wäre, wenn …?” auf die Spur geht. Sie lässt völlig neue Prämissen und darauf fußende Gedankengebäude zu, die in ihrer besten Ausprägung Denkanstöße geben und die Möglichkeit bieten, alle erdenklichen Szenarien zu erproben, die himmelweit darüber hinausgehen, jemandem nur einen Zauberstab an die Hand zu geben, der alles richten kann. Damit spricht sie nicht nur Forscherdrang und Neugier an, sondern vor allem auch das Verlangen, die conditio humana zu ergründen."


Genau das ist der Grund, warum auch viele Fantasy-Leser schreiben. Es ist eine Spielwiese ohne die Gefahr gegen political correctness und vernünftige Grenzen zu verstoßen. Wir können gut sein und abgrundtief böse, wir dürfen richten, verurteilen und retten.


Im Grunde hat bereits Platon in seinen Dialogen nichts anderes gemacht und vermutlich in einer seiner Schriften einen Mythos geschaffen, der die Menschheit bis heute bewegt: Atlantis. Platon hat fiktive Welten erschaffen, um seine philosophischen Anschauungen zu verdeutlichen. Hätte er konkret über die Athener, Thraker oder Römer gesprochen, wäre er vermutlich irgendwann in Teufels Küche gelandet. So konnte er seinen eigentlichen Ideen über Philosophie, Staat und Erkenntnis Raum für Diskussion und Auseinandersetzung geben.

Manche Fantasy-Autoren tun auch das in ihren Werken. Genau wie sich Vertreter des literarischen Realismus nicht immer tiefschürfenden Erkenntnistheorien hingeben. Das ist so.

Und wer das nicht glauben mag, lese selber nach.

Euer Tom

„Die Welt ist meine Vorstellung“

- Arthur Schopenhauer in „Die Welt als Wille und Vorstellung
Nichts entsteht aus sich selbst heraus. Meine Idee, mein Weltbild, welches ich in meiner Geschichte zu verwenden gedenke, basiert auf Jahre zurück liegenden jugendlichen Austausch (mit und ohne Alkohol) und die Frage, dir Ihr sicherlich auch schon irgendwann einmal diskutiert habt:

„Nehmt ihr die Welt wahr, wie ich sie wahrnehme?“
„Ist dein Himmel genau so blau wie meiner oder anders?“


Ohne mein Projekt zu hoch hängen zu wollen habe ich nach den philosophischen Wurzeln meiner „Worthüterwelt“ gesucht und bin auf die Philosophie Arthur Schopenhauers gestoßen.
Schopenhauers Denken wird gelegentlich mit Solipsismus in Verbindung gebracht. Ganz stark vereinfacht gesagt, glauben Solipsisten an eine Art „Matrix“, das heißt, nichts ist real, außer man selbst und seiner eigenen Wahrnehmung.
Der Solipsismus geht mir daher zu weit.
Schopenhauers Weltbild passt dagegen für mich und meine Ideen. Er selbst war nach meinem derzeitigen Verständnis kein Solipsist. Für ihn existiert die Welt ausschließlich in Verbindung des Subjekts (der Mensch, „Ich“) mit den Objekten (die „Welt“ an sich) – nichtsdestotrotz existiert sie!

§1 „Keine Wahrheit ist also gewisser, von allen andern unabhängiger und eines Beweises weniger bedürftig, als diese, daß Alles, was für die Erkenntniß daist, also die ganze Welt, nur Objekt in Beziehung auf das Subjekt ist, Anschauung des Anschauenden, mit Einem Wort, Vorstellung“
(S. 29 in der 3. vermehrten und verbesserten Auflage, Leipzig (Brockhaus) 1859

Vorstellung sollte hier nicht gleich gesetzt werden mit Träumerei oder Fantasie, sondern eher mit Wahrnehmung, Idee, Interpretation!
Wie sich nun die Vorstellung des einen Subjekts mit der eines anderen hinsichtlich desselben Objekts vergleichen lässt, ist die ewige Frage nach Wahrnehmung, Perspektive und letztlich Wahrheit, die ich Euch weder beantworten kann noch will. Aber Ihr könnt sicher sein, dass ich mir diese Fragen beim Schreiben andauernd stelle...
Der Vorstellung liegt der Wille zugrunde, wobei ich Schopenhauer so verstehe, dass es sich eher um eine wechselseitige Beeinflussung handelt und keine kausale Verbindung. Davon ausgehend wäre Willensfreiheit nur eine bedingte, von der Vorstellung abhängige, also deterministische Freiheit und keine absolute.
Ein abschließendes Zitat zum Willen des Lebens soll das belegen:

§54 „Da der Wille das Ding an sich, der Innere Gehalt, das Wesentliche der Welt ist; das Leben, die sichtbare Welt, die Erscheinung, aber nur der Spiegel des Willens; so wird diese den Willen so unzertrennlich begleiten, wie den Körper sein Schatten: und wenn Wille daist, wird auch Leben, Welt daseyn. Dem Willen zum Leben ist also das Leben gewiß, und solange wir von Lebenswillen erfüllt sind, dürfen wir für unser Daseyn nicht besorgt seyn, auch nicht beim Anblick des Todes.“
(S. 347f in der 3. vermehrten und verbesserten Auflage, Leipzig (Brockhaus) 1859

Darüber dürft Ihr nun eine Weile nachdenken ;-)
Bis dahin verbleibt selbst philosophisch grübelnd
Tom


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