Buchmesse Leipzig: Schatten (geklaut von Oliver Plaschka)

Oliver Plaschka erzählt Euch in seiner Gazette (Link zum ganzen Artikel) etwas über die Schattenseiten der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Und weil er so verdammt nochmal recht hat, zitiere ich hier mal hemmungslos die wichtigsten Passagen (ich bin sicher, dass ich das darf!):


"Die Halle 2 ist seit vielen Jahren der Treffpunkt der Fantasy-, Manga und Cosplay-Fans. Sprich, genau der Enthusiasten, die in der Regel jeden noch so unvernünftigen Preis für ihre Leidenschaft zu zahlen bereit sind, und die den "Kulturbetrieb" der Messe und die darüber berichtende Presse dabei am wenigsten interessieren"


Und darin deutet sich schon das eigentliche Problem an: Wir Fantasy-Autoren und -Leser sind eben Freaks, die man nicht ernst nehmen muss


Oliver weiter:

"Offenbar hatte die Buchmesse aber irgendwie ein Problem damit, dass in ihren heiligen Hallen irgendetwas funktioniert, ohne dass sie die Lorbeeren dafür erntet und sich dumm und dusselig verdient. Deshalb hat sie sich ab 2013 massiv in die Lesungsplanung eingemischt und die Fantasy-Leseinsel zu einem kombinierten Austragungsort für Fantasy und Jugendbuch erklärt. WerkZeugs, die jahrelang als omnipräsente Ansprechpartner für alle Sorgen und Belange auftraten, konnten nur noch eine geringe Zahl von Slots belegen."

(...)

"Das zweite Problem – und das kann ich gar nicht oft genug wiederholen – ist, dass Fantasy nicht gleich Jugendbuch ist, und Jugendbuch nicht gleich Fantasy.

(...)

Ein weiterer Grund, wieso ich mich hier dem Vorwurf der Segregation aussetze, ist der Elitismus der Kritik. Insbesondere die Fantasy (...) kämpft seit gefühlten Zeitaltern (...) darum, dass man sie nicht als "was für Kinder" abtut – dieses dümmste aller Argumente, das sich letztlich gar nicht mal gegen uns, sondern gegen die Kinderbuchautoren und vor allem die Kinder selbst richtet, und das aus dem Versagen der grundlegendsten aller literaturkritischen Kategorien erwächst, nämlich: "Wenn da was mit Zauberei drin vorkommt, ist das doch Unsinn."

(...)

Wenn es nicht auch für den blockiertesten Geist sofort erkenntlich etwas ist, was er selbst schon erlebt hat, kann es für die "wirkliche" Welt ja nicht von Belang sein. Wichtige Themen™ sind eine Sache, alles andere ist Quatsch. Und alle, die sich für so was interessieren, sind entweder Kinder oder einfach nur Spinner – je nachdem, was die naheliegendere defizitäre Kategorie im Geist des Diskriminierenden ist.

(...)

Dass wir dank der Messe nun nach vielen Jahren des Einsatzes von Autoren, Lesern, Verlegern und Prominenten (...) wiederum an diesem Punkt stehen, an dem man uns sagt: "Ah, Drachen und Zauberer! Die Krabbelecke ist dort drüben" ist ein Schlag ins Gesicht."


Die Lesung von Diana mit Hüter der Worte war eine von ca. zwanzig, die zugunsten der Jugendbücher ausfielen. Und vielleicht darf hier gesagt werden, dass die Rückmeldung erst Ende Januar erfolgte: weit nach sämtlichen Deadlines und kurz vor der Bekanntgabe des Programms "Leipzig liest". Somit konnte der Verlag auch nichts mehr ausrichten. Glaubt nicht, dass wir das nicht versucht hätten...

Aber immerhin hat es Sandra Baumgärtner mit ihrem Seraphim-Roman aus einem Kleinverlag bis in die heute Nachrichten und aspekte geschafft (und die Kollegin, die nicht so gut geschlaft (sic!) hat, war Diana). Ein kleines Licht...


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