Sprachunterschiede FAQ #02

Inzwischen haben sich einige Fragen rund um Sprache und Sprachniveau von Hüter der Worte angesammelt. Interessant dabei: In den meisten Rezensionen wird ein sprachlicher Unterschied in den Abschnitten der Normal- und der Fantasy-Welt lobend erwähnt. Danke! :-)

Einigen ist dieser jedoch nicht groß genug.

Die FAQ-Frage der Woche lautet daher:

Warum unterscheiden sich die beiden Welten sprachlich nur so wenig?

Dazu ein wenig Historie:

In den ersten Entwürfen vor vier Jahren gab es gar keinen sprachlichen Unterschied. Die Fantasy-Welt war in „Normalsprache“ beschrieben. Willerin hatte etwas von Hexenküche zwischen Fantasy, Steampunk, Mittelalter und Normal-Welt. Es gab Kaffeemaschinen, Reihenhäuser und weiteren Unfug, daneben Schwerter und Esel.

Es war - offen gestanden - völlig planlos, und das drückte sich auch massiv in der Sprache aus.

Das gefiel niemandem. Mir auch nicht.


Dann folgte eine Phase, in der Willerin ausgearbeitet wurde. Das Leben auf der Insel sollte vertraute klassische Fantasy-Elemente beinhalten, gleichzeitig weiterentwickelt sein. So wird beiläufig erwähnt, dass die Einwohner in der Lage wären, Strom zu produzieren. Sie sehen nur keinen Sinn darin und tun es deshalb nicht. Dazu an anderer Stelle mehr.

Die Sprache erfuhr damit ebenfalls eine drastische Wandlung. Die Abschnitte, die von Willerin handelten, waren hochgestochen, geschraubt und „mittelalterlich“ angelehnt.

Das gefiel den meisten besser. Mir auch.

Jetzt kommt das große ABER: Es war schwer zu lesen.

Obwohl die Testleser es als angemessen empfanden, bemängelten sie, dass sie nach einem Wechsel ständig aus der Handlung geworfen wurden und einige Abschnitte benötigten, bis sie sich wieder an den neuen Sprachstil und -rhythmus gewöhnt hatten. Es machte ihnen Arbeit; manchen wurde es regelrecht unangenehm.

Und weil das Buch inhaltlich anspruchsvoll genug ist, sollte es nicht auch noch sprachlich überfordern. So wurden die Welten-Abschnitte sprachlich angepasst und harmonisiert, bis nur noch ein kleiner sprachlicher Unterschied die Welten voneinander abgrenzt. Das scheint gelungen.

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Exkurs:

Schriftsprache und gesprochene Sprache.

Es gab noch eine Idee, die beiden Welten sprachlich voneinander abzugrenzen: In der wörtlichen Rede sollten die Normal-Welt Bewohner eigentlich noch „schlabberiger“ reden. Z.B. sollten Verben komplett ohne „e“ auskommen: „Hab ich“, „Schreib ich“, „Geb ich“, und so weiter.

Dann gibt es Verben, bei denen die e-lose Version inzwischen in die Schriftsprache übergegangen ist. Aber eben nicht grundsätzlich. In der Fantasy-Welt sollte es daher noch übertrieben werden: „Gehe ich“, „Mache ich“….

Nun ist Umgangssprache immer ein wenig dem Zeitgeist unterworfen. Da manche Leser die Dialoge zwischen Normal-Welt-Bewohnern ohnehin als unrealistisch empfinden (dabei rede ich wirklich häufig so!), bin ich superfroh, dass sich die Knaur-Lektorin sehr bestimmt gegen diese Unterschiede in der wörtlichen Rede ausgesprochen hat. Weil Schriftsprache eben immer noch richtig geschrieben werden sollte und nicht so, wie sie gesprochen wird. Daher sind auch die Chat-Dialoge frei von Rechtschreibfehlern. Das ist „unrealistisch“, aber für den Wohlfühlfaktor beim Lesen unerlässlich.

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